Immer mehr weiße Flecken
03.04.2025 - Presse
2023 versuchte die Landesapothekerkammer Thüringen mit der Aktion „Lebenszeichen Apotheke“ die Thüringer Politik aufzurütteln, bevor die Zahl der Thüringer Apotheken auf unter 500 absank. „Heute, gut anderthalb Jahre später muss ich feststellen, dass die Verantwortlichen in der Politik die Dramatik der Situation vermutlich noch immer nicht verinnerlicht haben“, sagt Apotheker Danny Neidel, Geschäftsführer der Thüringer Berufsorganisation. „Zum Ende des 1. Quartals 2025 sind wir bei 485 Apotheken im Freistaat angekommen und auch das ist nur eine Zwischenstation, denn schon heute wissen wir, dass wir drei weitere Apotheken verlieren werden.“
Damit werden es in der ersten Jahreshälfte schon wieder sieben Apotheken sein, die der Arzneimittelversorgung in Thüringen verlorengehen. „Wer gedacht hatte, dass wir im letzten Jahr eine leichte Abschwächung des Abwärtstrends erreicht hätten, weil 2024 weniger Apotheken schlossen als in den Jahren zuvor, der wird nun eines Schlechteren belehrt.“ Man merkt dem Apotheker die Sorge an. „Seit 15 Jahren verlieren wir Jahr für Jahr Apotheken und damit ein Stück Gesundheitsversorgung, Lebensqualität und letztlich auch Sicherheit, denn wenn ich mich nicht mehr darauf verlassen kann, dass ich überall in Thüringen und jederzeit leicht an meine Arzneimittel komme, dann ist das kein Luxusproblem mehr.“
Und die weißen Flecken werden größer. Stand jetzt haben fünfundzwanzig Thüringer Gemeinden und Kleinstädte ihre Apotheke verloren. „Am 30. Juni wird Blankenstein an der Saale als nächste Gemeinde dazukommen, wie uns die langjährige Inhaberin der Apotheke mitteilte.“ Die nächste Apotheke liegt dann in Bad Lobenstein und das ist 10 Kilometer entfernt, wenn gerade mal keine Baustelle den Weg versperrt.
„Die Politik in Berlin, aber auch in Erfurt muss endlich verstehen, dass wir kein wohlfeiles Klagelied singen, es geht schon lange nicht mehr um Pfründe, sondern um Substanz“, wird Neidel deutlich. „Schon 2019 zum Tag der Pharmazie hat uns und den anwesenden Schülerinnen und Schülern der damalige Wissenschaftsminister ein modernes Institut für Pharmazie in Jena versprochen. Dann hat er es leider versäumt, die notwendigen Haushaltsmittel zu organisieren, womit auch die eingeplanten EFRE-Mittel verlorengegangen sind. Die neue Landesregierung steht nun vor einer Herkulesaufgabe, denn alles muss neu geplant und finanziert werden, was Jahre dauern wird – Zeit, die wir nicht mehr haben.“
Die Thüringerinnen und Thüringer haben das Problem erkannt. Mit knapp 64.000 Unterschriften haben sie eine Petition der Landesapothekerkammer Thüringen zur erfolgreichsten ihrer Art an den Thüringer Landtag gemacht. In ihr wird die Landesregierung zu einer Bundesratsinitiative aufgefordert, um die finanzielle Situation der Apotheken auf eine feste Basis zu stellen. Kernstück ist die Forderung zur Modernisierung und Erweiterung des Instituts für Pharmazie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. „Am 24. April wird es eine öffentliche Anhörung im Landtag geben und dann muss die Politik endlich Entscheidungen treffen. Die angespannte Situation in Thüringen heute liegt nicht zuletzt am Zustand des Instituts. Und dort wird auch über die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Thüringen entschieden.“